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Kunstformen in Indonesien

(Quelle : Indonesien Report Jg. XXII, Mai 2000 Nr. 03 SS. 13 - 16)


1. Gamelan

Obgleich die musikalische Tradition Indonesiens so verschiedenartig ist wie seine Bevölkerung, ist jedoch die am weitesten verbreitete und entwickelte Form der Musik das Gamelan. Es wird meistens mit den Inseln Bali und Java in Beziehung gebracht, wo es seine höchste musikalische Perfektion erreicht hat.

Aber in einer oder anderer Form von der einfachsten bis zur vollendetsten - ist dieses in der Hauptsache aus metallenen Schlaginstrumenten bestehende Orchester auch auf vielen anderen Inseln östlich von Bali bis Sumatra bekannt.

Ein komplettes Gamelan-Orchester auf Java oder Bali kann aus bis zu achtzig einzelnen Instrumenten bestehen, die in zwei verschiedenen aber sich ergänzenden Sätzen getrennt sind, jedes in einer anderen Tonart gestimmt. Diese Trommeln, metallene und hölzerne Xylophone, Gongs, Lauten und Flöten sind alte indonesische Kunstformen, von denen angenommen wird, dass sie bereits vor dem Beginn der Hindukultur auf dem Archipel vorhanden waren.

Das Gamelan wird entweder unabhängig für eine Zuhörerschaft gespielt oder als Begleitung bei Ritualen oder Vorführungen von javanischen oder balinesischen Tänzen und Puppentheater, auch auf anderen Inseln. Bei der Begleitung zum Tanz-Drama (wayang wong) und dem Puppentheater (wayang kulit und wayang golek), spiegelt die gewählte Tonart die Stimmung der Geschichte wieder: die Sieben-Tonart (slendro), die Melancholie oder Ernsthaftigkeit vorstellt, die fünf-tonige (pelog) bedeutet Fröhlichkeit, Handlung und Festlichkeit. Die sie bentonige slendro-Tonleiter wurde ich achten Jahrhundert erdacht, die fünf-tonige pelog bereits Jahrhunderte früher. Von seinem grundlegenden tonalen Material her konstruiert das Gamelan Harmonien; was der Zuhörer hört sind verschiedene, gleichzeitige Klangschichtungen.

Obwohl die Instrumente des Gamelan-Orchesters sich prinzipiell gleichen, bestehen doch unverkennbare Unterschiede in der Gamelan-Musik der verschiedenen Gebiete: die von Bali zum Beispiel ist charakteristisch für ihre Brillanz, während die von Java, so ein Schüler aus dem Westen, sich am besten vergleichen lässt mit dem Schein des Mondes und dem Fließen von Wasser, geheimnisvoll, immer gleich und doch wieder sich ändernd. Die Gamelan-Musik hinterlässt im Ohr des westlichen Zuhörers fast immer den Eindruck von exotischer Schönheit.

2. Wayang

Wayang, genauso populär wie alt, ist eine Theaterform, bei der die Charaktere entweder durch Tänzer (wayang wong) oder durch lederne oder hölzerne Puppen (wayang kulit und wayang golek) dargestellt und durch einen Puppenspieler zum Leben erweckt werden.

Besonders bekannt ist das wayang kulit theatre auf Java und Bali, bei dem das Drama sich durch ein Spiel der Schatten entfaltet. Der Puppenspieler bewegt die fein geschnitzten Lederpuppen hinter einer hellen Leinwand und die Zuschauer beobachten von beiden Seiten der Leinwand aus die Geschichten der Ramayana- und Mahabharata-Epen oder der javanischen Panji-Erzählungen. In Bali und Java ist das wayang kulit Theater beliebter, während in West-Java das wayang golek, bei dem holzgeschnitzte Puppen benutzt werden, besser bekannt ist.

Obwohl angenommen wird, dass das Wayang auf die Zeit vor der Hindu-Periode (ungefähr im 6. Jahrhundert) zurückgeht, haben die Indonesier bis zum heutigen Tag ihre Liebe zu dieser Kunst- und Unterhaltungsform beibehalten. Der Dalang, der an sich schon eine "EinMann-Show" darstellt, erzählt über Stunden hinweg Geschichten oder Dialoge, bei denen sich seine Stimme je nach dargestelltem Character verändert. Seine Ausdauer darf eine lange Nacht hindurch nicht nachlassen.

Die flachen Lederpuppen des Wayang kulit sind aus Büffelhaut geschnitten und entweder grotesk oder fein gebildet, reich verziert bemalt und sehr beliebt. Jede wayang kulit Figur wird von einem Stock aus Büffelhorn gestützt, mit einem Griff, den der dalang (Erzähler) in einen Bananenstamm steckt, wenn die Figur zu erscheinen hat.

Im Gegensatz zum wayang kuft werden die wayang golek Puppen aus Holz zu dreidimensionalen Figuren geschnitzt. Das wayang golek Theater benutzt keine Leinwand.




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