Garuda


Kunsthandwerk in Indonesien

(Quelle : Indonesien Report Jg. XXII, Juni 2000 Nr. 04 SS. 8 - 15)


a) Weben

Weben, wie das meiste Handwerk, begann als Heimarbeit, aus einer Notwendigkeit heraus und ist vom geistigen und religiösen Blickpunkt der Menschen geformt. Im Laufe der Zeit spezialisierte sich die Weberei mehr im Hinblick auf seinen künstlerischen Wert und seine funktionelle Notwendigkeit.

Den meisten Freunden der Webkunst wird nicht bekannt sein, daß Ikat oder Faden-Färbung eine alte indonesische Technik ist. Vor dem Durchziehen durch den Webstuhl wird die Kette von Wollfäden zusammengebunden (ikat) mit einer pflanzlichen Faser, entsprechend dem gewünschten Muster. Dann werden die Fäden gefärbt, wobei die Farbe nur die Teile durchtränkt, die nicht eingebunden sind. Die Muster erscheinen in einigermaßen verschwommenen Formen, nachdem die Fäden verwebt sind. Eigene Motive zeichnen die Webereien der verschiedenen Gegenden aus: Süd Sumatra produziert Schiffsfiguren, die die Seelen der Toten tragen, " Totenkopfbäume" oder abstrakte Bäume mit menschlichen Schädeln kommen von Sumba, die Balinesen lieben leuchtende Farben. Manchmal werden goldene oder silberne Fäden in die Muster eingewoben.

Weben ist ein wesentlicher Teil des kulturellen Lebens in Indonesien. Rituale Muster für zeremonielle Anlässe sind genau vorgeschrieben. Wie die Zeremonie selbst von Generation zu Generation weitergegeben wird, so werden auch die Muster der Webereien von der Tradition vorgeschrieben

b) Batik

Batik, eine der ältesten javanischen Künste. ist heute ein nationaler Schatz Indonesiens, der im ganzen Land benutzt wird. Die Jahrhunderte alte Methode des Stoffärbens und der mit Hilfe von geschmolzenem Wachs gemalten Muster, wurde über die Jahrhunderte hin beibehalten, ebenso wie die wundervollen Muster.

Ursprünglich wurde Batikstoff in Schattierungen von indigoblau, braun und weiß aus natürlichen, pflanzlichen Farbstoffen hergestellt. Das geschmolzene Wachs wurde mit einem hohlen, spitzen Canting eine kleine kupferne Schreibfeder aufgemalt und dann gefärbt. Nach dem Färben und Trocknen wurde wiederum Wachs aufgetragen, um die gefärbten Muster zu bedecken und dann wieder alles in eine andere Farbe getaucht. Dieser Vorgang wurde so oft wiederholt, wie es nötig war, um die gewünschten Fai ben des Musters zu erhalten. Zwischen den einzelnen Färbvorgänge wurde das Wachs abgekratzt und neu auf die bereits gefärbten Teil aufgetragen.

Traditionelle Batikmuster bestehen aus geometrischen Figuren, Vögeln Blumen und einer endlosen Anzahl von kleinen Mustern. Die in Yogyakarta und Surakarta (Solo) hergestellten Batiken haben im allgemeinen traditionelles Aussehen beibehalten und sind von sehr guter Qualität. Aus diesem Grund werden sie meistens als zeremonielle Kleidung oder bei großen, gesellschaftliche Anlässen getragen. Die Batik aus Cirebon zeigt die gleiche Vorliebe für klassische Farben wie die von Yogya und Solo, zeigt aber starke chinesischen Einfluß, der sich in den Felsen- und Wolken-Mustern ausdrückt. Eine andere Gegend, die für ihre Batik bekannt ist, ist Pekalongan, das für seine hellen, zeitgenössischen und gradlinigen Muster berühmt ist.

Die Herstellung handgemalter Batik ist ein langwieriger Prozes und braucht oft Monate bis zur Fertigstellung. Deshalb blieb in der Vergangenheit das Tragen von feiner Batik nur der gesellschaftlichen Elite vorbehalten. Die vor Jahrzehnten erfundene Methode, um die Batikmuster aufzustempeln, machte es dann auch dem durchschnittlichen Indonesier möglich, recht gute Batik zu erwerben. Die Umrisse der Muster werden hergestellt, indem man einen Kupferstempel, der zuvor in geschmolzenes Wachs getaucht wurde, auf den Stoff drückt. Dieser Vorgang wird sooft wiederholt, bis der gesamte Stoff bedeckt ist. Die Herstellung wird dann zu Ende geführt, indem auf die Teile, die weiß bleiben sollen, mit der Hand Wachs aufgetragen wird. Danach folgt das Färben in der üblichen Weise. Die gestempelte Batik hat in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte erzielt.

Die handgemalte Batik wird jedoch immer noch als die "Königin" dieser Kunst angesehen. Feine, alte Stücke sind heutzutage selten und es werden hohe Preise dafür bezahlt von indonesischen und ausländischen Sammlern. Batik erhält ihre tiefe Patina erst nach langem Tragen und es ist deshalb nicht verwunderlich, daß alte, getragene Stoffen von verständigen Sammlern höher bewertet werden als nagelneue Stücke.

c) Flechten

Für den Besucher ist Indonesien ein Jahrmarkt von geflochtenen Körben, Rattan-Arbeiten, "Panama" Hüten und einer Menge anderer schmückender Gegenstände. Alle diese Produkte haben ihren Ursprung in der Umwelt des Menschen: Bambus findet man fast überall, in manchen Gegenden ist Rattan häufiger zu finden und Pandanus-Bäume gibt es in den sumpfigen Gebieten.

Das Flechten dieses überall zu findenden Materials in nützliche oder dekorative Gegenstände ist in Indonesien weitverbreitet. Bambusstiele werden geschnitten, in Wasser eingeweicht und dann in Streifen geschnitten, die geschmeidig genug sind, um zusammengeflochten zu werden. Pandanus-Blätter werden getrocknet und zu Körben und Matten verarbeitet.

Bambus-Handwerk ist besonders in West-Java bekannt und Tasikmalaya ist das Zentrum für diese Arbeiten. In West-Sumatra wird der Bambus gefärbt und mit einfachen Mustern verziert, um anziehende Gegenstände zu erlangen.

Aus einer täglichen Notwendigkeit heraus geboren, hat sich das Flechten über die Jahrhunderte hin zu einer Kunst entwickelt und indonesische Handwerker scheinen eine besondere Art zu haben, um auch den einfachsten Gegenständen ein besonderes Aussehen zu geben: die großzügige Flechtart eines Korbes, ein wenig Farbe auf einem Rattanfächer, leuchtend gefärbte Pandanus-Schachteln, alles dies zeigt, daß die Kunst ein wesentlicher Teil des täglichen Lebens in Indonesien ist.

d) Holzschnitzerei

Eine echte Schönheitsliebe hat die Indonesier inspiriert, um ihren Inseln einen besonderen "Anstrich" zu geben und die Holzschnitzerei war eine Art, dies zu tun. Indonesische Holzschnitzereien können sehr edel und reich verziert sein, wie die von Java, Sumatra, Bali und verschiedenen anderen Inseln, oder anziehend in ihren einfachen, "primitiven" Darstellungen, wie die von Kalimantan, Irian und ähnlichen.

Auf Java ist das Zentrum der Holzschnitz-Kunst in Jepara, an der Nordküste des mittleren Teils der Insel. Die Holzschnitzerei aus Jepara wird charakterisiert durch reiche Blumenmuster, ähnlich denen der Batiken und sie werden meistens zur Verzierung von Möbeln und Täfelungen, aber auch für verschiedene Haushaltsgegenstände wie Schüsseln und Kästen benutzt. Andere Gegenden wie Madura, Cirebon und Bandung haben die Holzschnitzerei ebenfalls zu einer Kunst entwickelt.

Nicht weniger künstlerisch sind die Tanzmasken aus Yogyakarta, Surakarta und Cirebon und bezaubernd die hölzernen wayang golek Puppen aus Mittel- und West-Java.

Auf Bali hat sich die Gegend von Mas im Laufe der Jahrhunderte Berühmtheit erworben als der Mittelpunkt der Holzschnitzereien auf der Insel, obwohl es keinesfalls der einzige Platz ist, der das Holzschnitzen zu einer außergewöhnlichen Kunst entwickelt hat. In Bali wurde, neben dekorativen und nützlichen Gegenständen für das Haus, das Schnitzen von Figuren zu einer erwähnenswerten Kunst entwickelt. Balinesische Holzschnitzereien reichen von traditionellen Garuda-Vögeln und Göttern bis zu abstrakten und semi-abstrakten Werken.

Oft entstehen die raffiniertesten Gegenstände, ohne daß das Rohmaterial - eine Wurzel, ein eigentümlich geformter Ast oder ein Parasit seine ursprüngliche, ausdrucksvolle Form verliert.

In West- und Süd-Sumatra und in Mittel-Sulawesi unter der Toraja Bevölkerung, verzieren Holzschnitzereien die Häuser und in Kalimantan und Irian Jaya ist die Kunst eng mit dem Glauben und religiösen Riten der Bevölkerung verbunden. Die Holzschnitzkunst der Bataks in Nord-Sumatra verdient ebenfalls besondere Erwähnung.

e) Kris

Als das große Hindu-Köngreich von Majapahit den indonesischen Archipel (und Teile des heutigen Malaysia) vom Sitz seiner Macht in Ost-Java aus regierte, war die "nationale" Waffe der Kris: ein Dolch, oft juwelengeschmückt, mit einer entweder geraden oder einer ausgebogenen Klinge. Der Majapahit-Kris ist der älteste bekannte Typ Kris, der in Indonesien gefunden wurde.

Obgleich viele Krise tatsächlich zum Gebrauch als Waffe hergestellt wurden, waren andere als schmükkendes Zubehör zur männlichen Kleidung bestimmt. Die Klinge, die üblicherweise aus Eisen und Metall mit einem hohen Nickelanteil für das Kopfteil hergestellt wurde, wurde oft als etwas ganz Besonderes angesehen, da geglaubt wurde, daß sie bestimmte magische Kräfte enthält, die ein Meister-Kris-Hersteller durch das Einhalten bestimmter Rituale und Tabus während der Herstellung dem Kris "einpflanzen" kann. Selbst heute gibt es viele Indonesier, die einen hohen Preis zahlen würden, um in den Besitz eines solchen machtvollen Kris zu gelangen. Es werden noch immer Geschichten von Männern erzählt, die Attentatsversuchen entkamen, weil sie im Besitz eines besonderen Kris waren

Obwohl zur Zeit noch der eine oder andere Meister-Krishersteller lebt und arbeitet, werden doch nur noch wenige Krise hergestellt. Billige Imitationen werden neben "echten" Krisen in vielen Teilen Indonesiens wie Java, Bali, Sumatra, Süd Sulawesi, Kalimantan und vielen kleineren Inseln Ost-Indonesiens gefunden. Jedoch nur in Bali und Java können die seltensten und schönsten Krise gefunden werden. (Reiseziel Indonesien)


Previous Articles

Related Article


Flag


(c) 2000 - 2002 Deutsch - Indonesischer Verein Heidelberg